Von Patrick Lauff, Gründer tom&pat Veröffentlicht am Aktualisiert am 03.09.2026

Mikroplastik in Kosmetik erkennen: die 6 Namen, die es auf der Liste verraten

Naturschwamm mit Glasanhänger neben einem gelb-grünen Kunststoffschwamm

Mikroplastik in Kosmetik erkennen Sie nicht am Aussehen, sondern an den Namen auf der Inhaltsliste - und die klingen oft erstaunlich harmlos. Begriffe wie Polyethylen, Acrylates Copolymer oder Nylon-12 verraten, dass winzige Kunststoff-Partikel oder flüssige Polymere im Produkt stecken. Diese landen über das Abwasser am Ende in Flüssen und Meeren. Die gute Nachricht: Mit ein paar Wörtern im Kopf und der richtigen App durchschauen Sie jede Liste in Sekunden. In diesem Beitrag bekommen Sie die 6 wichtigsten INCI-Begriffe und die häufigsten Verstecke.

Von tom&pat Team - nachhaltige Naturprodukte seit 2018, ausgewählt für Körperpflege und Alltag

Lesedauer: 17 Minuten

1. Mikroplastik in Kosmetik erkennen: der kurze Überblick

Mikroplastik in Kosmetik erkennen Sie an der Inhaltsliste: Begriffe wie Polyethylene, Acrylates Copolymer oder Nylon-12 verraten Kunststoff im Produkt. Diese sechs INCI-Namen sind die wichtigsten Marker. Eine Scan-App hilft beim Prüfen.

📌 Hinweis: Wichtig vorweg: Kein einzelner Inhaltsstoff macht ein Produkt automatisch gefährlich. Es geht hier um die Umweltbelastung durch Plastik im Abwasser und um bewusste Entscheidungen - nicht um Panik. Wer empfindliche Haut hat oder unsicher ist, bespricht Pflegefragen am besten mit einer Hautärztin oder einem Hautarzt.

Auf der Verpackung sieht man Plastik nicht - man liest es. Hinter sperrigen Fachbegriffen auf der Inhaltsliste versteckt sich oft Kunststoff, der so klein ist, dass er als Pulver, Gel oder gelöste Flüssigkeit im Produkt steckt. Beim Duschen, Abschminken oder Zähneputzen wandert er ins Abwasser und von dort in die Umwelt.

In diesem Beitrag bekommen Sie das Werkzeug, um jede Inhaltsliste schnell zu durchschauen: die sechs wichtigsten Begriffe, die Apps, die Ihnen die Arbeit abnehmen, und die Produkte, in denen sich Mikroplastik am häufigsten versteckt. Die Kurzfassung in einem Satz: Achten Sie auf alles mit Poly- am Anfang sowie auf die Wörter Acrylat und Nylon - das deckt schon den größten Teil ab.

2. Was Mikroplastik in Kosmetik überhaupt ist

Mikroplastik in Kosmetik sind winzige Kunststoffteilchen, kleiner als fünf Millimeter, oder flüssige beziehungsweise gelöste Kunststoffe. Sie werden absichtlich zugesetzt - als Schleifkörper, Filmbildner, Binde- oder Verdickungsmittel. Über das Abwasser gelangen sie in Flüsse und Meere, wo sie sich kaum abbauen.

Der Begriff umfasst mehr, als viele denken. Bekannt sind die festen Körnchen, die früher massenhaft in Peelings steckten. Daneben gibt es aber auch flüssige, gelartige und lösliche Kunststoffe, die ein Produkt geschmeidiger machen, einen Film auf der Haut bilden oder die Konsistenz verdicken. Das Problem liegt im Weg, den diese Stoffe nehmen: Was Sie abspülen, läuft in die Kanalisation. Kläranlagen filtern viel heraus, aber nicht alles - und die kleinsten Partikel können hindurchschlüpfen.

Warum setzen Hersteller Mikroplastik überhaupt zu? Kunststoffe sind für Hersteller praktisch und günstig. Feste PE-Körnchen ergeben einen gleichmäßigen, gut dosierbaren Schleifeffekt. Flüssige Polymere machen Make-up wischfest, lassen Cremes seidig auftragen oder verdicken die Konsistenz, ohne das Produkt zu beschweren. Sie übernehmen also handfeste technische Aufgaben - es gibt aber für fast jede dieser Aufgaben auch natürliche Alternativen, von gemahlenen Kernen bis zu pflanzlichen Verdickungsmitteln.

Ist Mikroplastik in Pflege fest oder flüssig? Beides. Festes Mikroplastik sind sichtbare oder fühlbare Partikel, etwa die kleinen Kügelchen in manchen Peelings. Flüssiges, gelöstes oder gelartiges Mikroplastik bemerken Sie dagegen gar nicht - es steckt unsichtbar in der Textur als Filmbildner oder Verdickungsmittel. Genau diese unsichtbare Form wird oft übersehen, weil man instinktiv nur nach Körnchen sucht. Auf der Liste verraten sich aber beide Formen durch ihren INCI-Namen.

INCI: INCI steht für International Nomenclature of Cosmetic Ingredients - die einheitliche Fachsprache für Inhaltsstoffe auf Kosmetikverpackungen. Jeder Stoff hat einen festen INCI-Namen. Deshalb steht dort Polyethylene und nicht einfach Plastik. Wer die wichtigsten INCI-Begriffe kennt, kann Mikroplastik gezielt aufspüren.

Ein Hinweis zur Begriffslage: Es gibt keine einheitliche, weltweit gültige Definition, ab wann ein gelöster Kunststoff als Mikroplastik gilt. Verbände, Behörden und Hersteller ziehen die Grenze unterschiedlich. Wir orientieren uns hier an der weiten Auslegung von Umweltverbänden, die auch flüssige und gelöste Kunststoffe einbeziehen.

3. Die 6 INCI-Namen, die Mikroplastik verraten

Sechs INCI-Begriffe verraten Mikroplastik besonders zuverlässig: Polyethylene, Polypropylene, Acrylates Copolymer und Crosspolymer, Nylon-6 und Nylon-12, Polyquaternium, Carbomer sowie als sechster Sammelposten alles, was mit Poly- oder Acrylat im Namen beginnt. Sehen Sie einen davon, steckt Plastik im Produkt.

Sie müssen kein Chemie-Studium haben, um Mikroplastik zu finden. Es reicht, eine Handvoll Wortstämme im Kopf zu haben. Die folgenden sechs decken den Großteil der gängigen Kunststoffe in Pflegeprodukten ab. Lesen Sie die Inhaltsliste von oben nach unten und halten Sie nach diesen Namen Ausschau.

Die 6 Mikroplastik-Begriffe im Detail - Schritt für Schritt

1

Polyethylene (PE). Der Klassiker schlechthin. Steckt als festes Schleifkörnchen in vielen Peelings und Duschgels, manchmal auch als Filmbildner in Cremes. Sehen Sie Polyethylene, ist fast immer Plastik gemeint.

2

Polypropylene (PP). Eng verwandt mit PE und ebenfalls ein häufiger fester Kunststoff. Findet sich in Peelings, Make-up und manchen Cremes, oft zur Konsistenz oder als feiner Schleifkörper.

3

Acrylates Copolymer / Crosspolymer. Sehr verbreitet in Make-up, Stylingprodukten und langhaftenden Texturen. Bildet einen feinen Film, der Produkte wischfest macht. Achten Sie auf das Wort Acrylates in allen Schreibvarianten.

4

Nylon-6 und Nylon-12. Ja, das gleiche Nylon wie in Strumpfhosen. In Kosmetik sorgt es für ein samtiges Gefühl und mattes Finish, vor allem in Foundation, Puder und Mascara. Die Zahl dahinter ändert nichts daran, dass es Kunststoff ist.

5

Polyquaternium. Ein Sammelbegriff mit vielen Nummern (etwa Polyquaternium-7). Wird vor allem in Haarpflege und Stylingprodukten als Filmbildner eingesetzt. Zählt nach weiter Auslegung zu den gelösten Kunststoffen.

6

Carbomer und alles mit Poly- oder Acrylat. Carbomer ist ein häufiges Verdickungs- und Gelbildemittel. Als Faustregel gilt: Begriffe, die mit Poly- beginnen oder das Wort Acryl beziehungsweise Acrylat enthalten, sind ein starkes Plastik-Signal. Im Zweifel kurz nachschlagen.

Gibt es weitere Begriffe, die ich kennen sollte? Die sechs Stämme decken das Meiste ab, aber ein paar Verwandte lohnen sich: Dimethicone und andere Silikone, die zwar kein klassisches Mikroplastik sind, aber ebenfalls schwer abbaubar und umstritten. Außerdem PVP in Haarsprays, Polyurethane in langhaftendem Make-up und PEG-Verbindungen. Sie müssen das nicht auswendig können - es reicht, bei Poly-, Acryl-, Nylon- und -cone-Endungen kurz stutzig zu werden.

Faire Einordnung: Nicht jeder dieser Stoffe wird von allen gleich streng bewertet. Carbomer und Polyquaternium etwa sind als gelöste Kunststoffe umstritten, manche zählen sie nicht zum klassischen Mikroplastik. Wer Plastik konsequent meiden will, behält sie trotzdem im Blick - wer nur feste Partikel vermeiden möchte, achtet zuerst auf PE, PP und Nylon.

Hand hält eine Kosmetiktube und liest die INCI-Inhaltsliste mit markierten Begriffen

4. Schritt für Schritt: eine Inhaltsliste prüfen

So prüfen Sie eine Inhaltsliste in unter einer Minute: Liste finden, nach Poly-, Acryl- und Nylon-Begriffen scannen, im Zweifel App oder Nachschlagen nutzen, Werkzeug separat bewerten und beim nächsten Kauf bewusster entscheiden. Mit etwas Übung läuft das fast automatisch ab.

Theorie ist gut, aber im Drogeriemarkt zählt das schnelle Vorgehen. Diese fünf Schritte machen das Prüfen zur Routine - egal ob bei einem neuen Produkt im Regal oder beim Aufräumen des eigenen Badezimmerschranks.

In 5 Schritten zur plastikfreien Wahl

1

Inhaltsliste finden. Drehen Sie das Produkt um. Die INCI-Liste steht meist klein gedruckt auf der Rückseite oder der Verpackung, oft eingeleitet mit dem Wort Ingredients.

2

Nach den Wortstämmen scannen. Gehen Sie die ganze Liste durch und halten Sie nach Poly-, Acryl beziehungsweise Acrylat und Nylon Ausschau. Schon ein Treffer genügt, um zu wissen, dass Plastik im Spiel ist.

3

Im Zweifel nachschlagen. Bei sperrigen Begriffen, die Sie nicht einordnen können, hilft eine Scan-App oder eine kurze Suche. Lieber einmal mehr prüfen als einen versteckten Filmbildner übersehen.

4

Das Werkzeug getrennt bewerten. Denken Sie daran, dass der Schwamm oder das Schminkpad nicht in der Liste steht. Prüfen Sie also auch, woraus das Werkzeug besteht - Synthetik oder echtes Naturmaterial.

5

Bewusst entscheiden. Sie müssen nichts wegwerfen. Wählen Sie beim nächsten Nachkauf die plastikfreiere Variante. Schritt für Schritt wird daraus ganz ohne Druck eine neue Gewohnheit.

Praktischer Tipp: Fangen Sie mit den Produkten an, die Sie täglich abspülen - Dusch- und Reinigungsprodukte. Dort hat ein Wechsel den größten Umwelt-Effekt, weil das Plastik direkt in den Abfluss wandert.

5. Apps und Tricks zum schnellen Prüfen

Scan-Apps wie CodeCheck und der ToxFox vom BUND lesen den Barcode oder die Inhaltsliste und markieren Mikroplastik automatisch. Sie nehmen Ihnen das Auswendiglernen ab. Verlassen Sie sich nicht blind darauf - die Datenbanken sind nicht immer vollständig, ein eigener Blick auf die Liste bleibt der sicherste Weg.

Sich sechs Wortstämme zu merken ist machbar, aber im Drogeriemarkt zwischen zwanzig Produkten geht es bequemer. Genau dafür gibt es Apps, die Inhaltslisten in Sekunden durchsuchen und bedenkliche Stoffe farbig markieren.

Welche Apps eignen sich? Verbreitet und gut gepflegt sind CodeCheck und der ToxFox des Umweltverbands BUND. Beide scannen den Barcode oder die Liste und weisen unter anderem auf Mikroplastik hin. Sie zeigen oft auch weitere Stoffe an, die manche meiden möchten. Probieren Sie ruhig beide aus und schauen Sie, welche Oberfläche Ihnen besser liegt.

Worauf sollte ich achten? Apps sind nur so gut wie ihre Datenbank. Neue Produkte oder geänderte Rezepturen sind nicht immer sofort erfasst, und manche gelösten Kunststoffe werden unterschiedlich bewertet. Nutzen Sie die App als Abkürzung, nicht als letzte Wahrheit.

Und wenn die App ein Produkt nicht findet? Gerade bei kleineren Marken kommt das vor. Dann hilft der manuelle Weg: Inhaltsliste lesen und nach den bekannten Wortstämmen suchen. Ein nicht gefundenes Produkt heißt nie automatisch plastikfrei - es heißt nur, dass Sie selbst nachschauen müssen. Der einfachste Trick ganz ohne App: Mit etwas Übung erkennen Sie die Muster auf einen Blick und brauchen das Handy gar nicht mehr.

Smartphone scannt mit einer Inhaltsstoff-App den Barcode eines Kosmetikprodukts

6. Wo sich Mikroplastik am häufigsten versteckt

Mikroplastik steckt am häufigsten in Peelings und Duschgels mit Schleifkörpern, in Zahnpasta, in Make-up wie Foundation, Puder und Mascara, in Stylingprodukten wie Gel und Haarspray sowie in einigen Cremes. Auch synthetische Reinigungs- und Make-up-Schwämme bestehen aus Kunststoff, stehen aber nicht in der Inhaltsliste.

Manche Produktgruppen sind echte Plastik-Hochburgen, andere überraschen. Wenn Sie wissen, wo Sie genauer hinschauen müssen, sparen Sie sich das Durchforsten jeder einzelnen Tube.

Warum stecken in Peelings so oft Plastikkörnchen? Früher waren feste PE-Körnchen ein billiger, gleichmäßiger Schleifkörper für mechanische Peelings. Viele Hersteller haben umgestellt, aber nicht alle. Zu den genannten Möglichkeiten gehören gemahlene Kerne, Salz, Zucker und ein Honeycomb-Naturschwamm.

Ist in Make-up wirklich so viel Plastik? In vielen Make-up-Produkten sorgen Acrylate und Nylon-Verbindungen für Haltbarkeit, mattes Finish und ein samtiges Gefühl. Foundation, Puder, Mascara und Lippenstift sind deshalb häufige Fundorte. Das macht ein Produkt nicht automatisch schlecht - es lohnt sich aber, gerade bei langhaftenden Texturen die Liste zu prüfen.

Was ist mit Zahnpasta und Duschgel? Einige Zahnpasten enthalten feine Kunststoff-Partikel, die beim Putzen polieren sollen - sie wandern danach direkt in den Abfluss. Bei Duschgels sind es oft Filmbildner und Verdickungsmittel auf Polymer-Basis. Beides sind Produkte, die Sie täglich abspülen, weshalb sich ein prüfender Blick hier besonders lohnt. Eine klassische feste Seife umgeht das Problem ganz.

Wo Mikroplastik wahrscheinlich ist - und wo eher nicht

Kriterien Eher Plastik drin Eher plastikfrei
Reinigung Peelings und Duschgels mit Schleifkörpern, oft mit PE oder PP. Klassische feste Seife ohne synthetische Zusätze, plus Naturschwamm.
Gesicht Langhaftendes Make-up mit Acrylates oder Nylon-Verbindungen. Einfache Pflege ohne Poly- und Acrylat-Begriffe auf der Liste.
Werkzeug Synthetische Make-up- und Reinigungsschwämme aus Kunststoff-Schaum. Echter Naturschwamm aus dem Meer.
Mund Einige Zahnpasten mit Kunststoff-Partikeln zum Polieren. Zahnpasta ohne entsprechende Poly-Begriffe in der Liste.

Versteckt, aber relevant: Synthetische Schwämme und Schminkpads tauchen nicht in der INCI-Liste auf, weil sie kein Inhaltsstoff sind, sondern das Werkzeug. Trotzdem bestehen sie aus Kunststoff und können bei Nutzung und Wäsche Fasern abgeben.

7. Häufige Fehler beim Mikroplastik-Erkennen

Die häufigsten Fehler: nur nach festen Körnchen suchen und flüssige Polymere übersehen, sich allein auf Werbeversprechen verlassen, nur die ersten Zeilen der Liste lesen, das Werkzeug vergessen und beim grünen Etikett unkritisch werden.

Nur auf feste Körnchen achten. Der häufigste Fehler: Man sucht nur nach sichtbaren Kügelchen und übersieht die flüssigen, gelösten Kunststoffe. Gerade Filmbildner wie Acrylate und Polyquaternium fallen so durchs Raster, obwohl sie genauso ins Abwasser gelangen.

Dem Etikett blind vertrauen. Begriffe wie natürlich, grün oder frei von Mikroplastik klingen beruhigend, sind aber nicht einheitlich geschützt. Manche als plastikfrei beworbene Produkte enthalten weiterhin gelöste Kunststoffe, weil der Hersteller nur feste Partikel gemeint hat.

Nur die ersten Zeilen lesen. Die Liste ist nur bis ein Prozent nach Menge sortiert, darunter steht alles in beliebiger Reihenfolge. Gelöste Kunststoffe stehen oft weiter hinten. Lesen Sie die ganze Liste, auch wenn die Begriffe gegen Ende immer kryptischer werden.

Das Werkzeug vergessen ist der unsichtbarste Fehler. Wer akribisch jede Tube prüft, aber weiter mit einem Synthetik-Schwamm wäscht, lässt eine wichtige Plastikquelle außen vor. Produkt und Werkzeug gehören beide auf den Prüfstand.

8. Mythen-Check rund um Mikroplastik in Kosmetik

Verbreitete Irrtümer im Check: Die EU habe Mikroplastik längst komplett verboten, alles Natürliche sei automatisch plastikfrei, Kläranlagen filterten alles heraus und der eigene Beitrag sei zu klein, um etwas zu ändern. Alle vier stimmen so nicht.

„Die EU hat Mikroplastik in Kosmetik längst komplett verboten." Stimmt so nicht. Die EU hat ein schrittweises Verbot für bestimmtes absichtlich zugesetztes Mikroplastik beschlossen, das gestaffelt über mehrere Jahre greift und zuerst feste Partikel betrifft. Viele flüssige und gelöste Kunststoffe sind erst später oder gar nicht erfasst, und die Übergangsfristen sind lang.

„Was natürlich aussieht, ist automatisch plastikfrei." Leider nein. Ein grünes Etikett oder eine erdige Farbe sagen nichts über die Rezeptur aus. Es gibt sogar Synthetik-Schwämme, die optisch wie ein Naturschwamm wirken. Entscheidend ist immer die Inhaltsliste beziehungsweise das tatsächliche Material.

„Kläranlagen filtern doch alles heraus." Moderne Kläranlagen halten einen großen Teil zurück, aber nicht alles. Die kleinsten Partikel und gelöste Kunststoffe können die Reinigungsstufen passieren, und ein Teil landet im Klärschlamm, der teils auf Felder ausgebracht wird. Der sicherste Weg bleibt, Plastik gar nicht erst in den Abfluss zu geben.

„Mein eigener Beitrag ist viel zu klein." Verständlich gedacht, aber die Summe zählt. Kosmetik wird von Millionen Menschen täglich genutzt, und jeder bewusste Einkauf sendet zugleich ein Signal an die Hersteller. Steigt die Nachfrage nach plastikfreien Produkten, passen Marken ihre Rezepturen an. Ihre Wahl wirkt also doppelt - direkt im Abwasser und indirekt über den Markt.

9. Warum sich das Vermeiden lohnt

Mikroplastik baut sich in der Umwelt nur sehr langsam ab und reichert sich in Gewässern und in der Nahrungskette an. Da jeder Spülgang Plastik ins Abwasser trägt, summiert sich der Beitrag vieler Haushalte. Wer plastikfreie Produkte und Werkzeuge wählt, senkt diesen Eintrag direkt und dauerhaft.

Der Effekt einer einzelnen Tube wirkt klein - aber was an Plastik durch den Abfluss geht, summiert sich zu erheblichen Mengen. Und anders als organische Reste verschwindet Kunststoff nicht, er zerfällt nur in immer kleinere Teilchen. Genau deshalb ist die Inhaltsliste so ein wirksamer Hebel: Sie entscheiden direkt an der Quelle. Jedes Produkt ohne Poly-, Acrylat- und Nylon-Begriffe und jedes plastikfreie Werkzeug ist ein Beitrag, der nichts kostet außer einem kurzen Blick beim Einkauf.

Persistenz: Persistenz beschreibt, wie lange ein Stoff in der Umwelt bleibt, bevor er abgebaut wird. Kunststoffe sind hochpersistent - sie können sich über sehr lange Zeiträume halten und zerfallen dabei nur in kleinere Bruchstücke, statt wirklich zu verschwinden.
💡 Tipp: Ermutigend: Sie müssen nicht über Nacht alles austauschen. Es reicht, beim nächsten Nachkauf bewusster zu wählen - ein Produkt nach dem anderen. So wird plastikfreie Pflege ohne Stress und ohne Verzicht-Gefühl zur neuen Gewohnheit.

10. Plastikfrei abkürzen: Naturschwamm und feste Seife

Wer beim Lesen der Listen müde wird, kann an zwei Stellen ganz einfach abkürzen: mit einem Duschschwamm aus echtem Naturschwamm statt eines Kunststoffschwamms und mit einem Stück Original-Aleppo-Seife statt Duschgel aus der Flasche – beides kommt von Natur aus ohne Polymere aus.

Bei aller Listen-Detektivarbeit ist die einfachste Lösung oft die ehrlichste: Werkzeuge und Produkte wählen, die von Natur aus kein Plastik enthalten. Ein echter Naturschwamm wird im Meer gewonnen, besteht nur aus dem natürlichen Schwammgerüst und gibt - anders als ein Synthetik-Schwamm - keine Kunststoff-Fasern ans Wasser ab. Kombiniert mit einer klassischen festen Seife ohne Poly- oder Acrylat-Begriffe ergibt das eine plastikfreie Basis. Wie ein Naturschwamm im Alltag funktioniert, lesen Sie im ultimativen Naturschwamm-Guide.

Woran erkenne ich einen echten Naturschwamm? Ein echter Naturschwamm hat eine unregelmäßige, gewachsene Form und eine natürliche Farbe von hellbeige bis goldbraun - keine zwei sind exakt gleich. Trocken fühlt er sich eher fest und etwas rau an, nass wird er weich und elastisch. Ein Synthetik-Schwamm dagegen ist meist perfekt gleichmäßig geformt, oft kräftig eingefärbt und fühlt sich gleichbleibend weich-schaumig an.

Synthetik-Schwamm und Naturschwamm im Plastik-Vergleich

Kriterien Synthetik-Schwamm Naturschwamm
Material Kunststoff-Schaum, meist auf Erdöl-Basis. Echtes Meeres-Schwammgerüst, hundert Prozent natürlich.
Faserabrieb Kann bei Nutzung und Wäsche feine Kunststoff-Fasern abgeben. Gibt keine Kunststoff-Fasern ab, da kein Plastik enthalten.
Entsorgung Bleibt als Kunststoff lange in der Umwelt. Natürliches Material, biologisch unproblematischer.
Peeling Oft kombiniert mit Peelings, die Plastikkörnchen enthalten. Honeycomb peelt rein mechanisch, ganz ohne Schleifkörnchen.

Ehrlich gesagt: Entscheidend ist, dass es echter Naturschwamm ist und kein gefärbter Synthetik-Schwamm, der nur natürlich aussieht. Bei einem echten Naturschwamm vom Meeresboden haben Sie die Sicherheit, dass kein Kunststoff im Spiel ist.

Heller Naturschwamm neben einem Stück fester Seife auf einer Holzablage im Badezimmer

11. Aus der Praxis von tom&pat

Aus unserer Praxis: Naturschwamm plus feste Seife ist die einfachste plastikfreie Pflege-Basis, die wir kennen – seit 2018 machen wir bei tom&pat im Grunde nichts anderes. Der Schwamm hält nach unserer Erfahrung sechs bis neun Monate, ein Stück Seife reicht Wochen, und beides kommt ohne Polymere aus.

Wir selbst nutzen für diese tägliche Reinigung am liebsten einen Naturschwamm zusammen mit einer schlichten festen Seife. Der Honeycomb mit seiner offenen Struktur eignet sich gut, wenn Sie zugleich ein sanftes Peeling möchten; der Grass ist der unkomplizierte Allrounder fürs Tägliche und der Silk besonders weich für empfindliche Haut. Das ist keine Wunderlösung, sondern einfach eine Pflege-Basis, bei der wir mit Sicherheit wissen, dass kein Mikroplastik im Spiel ist.

Eine Sache geben wir aus Erfahrung ehrlich mit: Ein Naturschwamm hält nur dann lange und bleibt hygienisch, wenn Sie ihn nach dem Duschen gründlich ausspülen, sanft ausdrücken (nicht wringen) und an einem luftigen Ort trocknen lassen - nicht im feuchten Eck der Duschwanne. Gepflegt begleitet er Sie nach unserer Erfahrung sechs bis neun Monate.

Und ganz ehrlich: Sie müssen nicht alles bei uns kaufen, damit der Tipp wirkt. Worauf es uns ankommt, ist das Prinzip - echtes Naturmaterial statt Kunststoff-Werkzeug und ein prüfender Blick auf die Liste. Welche Marke Sie dafür wählen, entscheiden Sie.

12. Fazit: ein Blick auf die Liste genügt

Mikroplastik in Kosmetik erkennen Sie an sechs INCI-Begriffen rund um Poly-, Acrylat- und Nylon-Verbindungen, unterstützt von einer Scan-App. Am häufigsten steckt es in Peelings, Make-up und Stylingprodukten. Naturschwamm und klassische feste Seife sind die einfachste Abkürzung: zwei Produkte, mit denen Sie beim täglichen Waschen sicher kein Mikroplastik in den Abfluss geben.

Mikroplastik aufzuspüren ist keine Geheimwissenschaft. Mit den sechs Begriffen im Kopf und einer App im Zweifel durchschauen Sie jede Inhaltsliste in Sekunden. Schauen Sie zuerst bei Peelings, Make-up und Stylingprodukten genauer hin, dort lohnt es sich am meisten.

Und wo Sie ganz sichergehen wollen, hilft die einfachste Regel: Werkzeuge wählen, die von Natur aus kein Plastik enthalten. Ein offenporiger Naturschwamm reinigt und peelt rein natürlich - wie er sich gegen sein Kunststoff-Pendant schlägt, zeigt der Vergleich Naturschwamm vs. Kunststoffschwamm. Und wer ihn fürs sanfte Peeling nutzen möchte, findet die Anleitung unter Peeling-Schwamm richtig anwenden.

Zum Schluss klar und fair: Es geht hier um Umwelt und bewusste Entscheidungen, nicht um Angstmache. Kein Inhaltsstoff macht ein Produkt automatisch gefährlich für Sie. Bei Hautproblemen oder Unsicherheiten zu einzelnen Stoffen ist die Hautärztin oder der Hautarzt die richtige Anlaufstelle.

13. Häufig gestellte Fragen

Die häufigsten Fragen – kurz und klar beantwortet.

Wie erkenne ich Mikroplastik in Kosmetik?

Mikroplastik erkennen Sie an der Inhaltsliste, der sogenannten INCI-Liste auf der Verpackung. Achten Sie auf Begriffe wie Polyethylene, Polypropylene, Acrylates Copolymer, Nylon-12, Polyquaternium oder Carbomer. Diese Namen stehen für feste Kunststoff-Partikel oder flüssige beziehungsweise gelöste Kunststoffe. Eine Scan-App wie CodeCheck oder ToxFox macht das Prüfen besonders einfach, weil sie die Liste automatisch nach solchen Stoffen durchsucht.

Welche INCI-Begriffe verraten Mikroplastik am sichersten?

Die sechs Klassiker sind Polyethylene (PE), Polypropylene (PP), Acrylates Copolymer und Acrylates Crosspolymer, Nylon-6 und Nylon-12, Polyquaternium sowie Carbomer. PE und PP stecken oft als feste Schleifkörper in Peelings, die Acrylate und Nylon-Verbindungen vor allem in Make-up und Stylingprodukten. Sehen Sie einen dieser Begriffe, ist Plastik im Spiel - flüssig, gelöst oder fest.

In welchen Produkten steckt am häufigsten Mikroplastik?

Besonders häufig findet sich Plastik in Peelings und Duschgels mit Schleifkörpern, in Zahnpasta, in vielen Make-up-Produkten wie Foundation, Mascara und Lippenstift, in Stylingprodukten wie Gel und Haarspray sowie in einigen Cremes und Sonnenschutz-Produkten. Auch synthetische Reinigungs- und Make-up-Schwämme bestehen aus Kunststoff, tauchen aber nicht in der INCI-Liste auf, weil sie kein Inhaltsstoff, sondern das Werkzeug sind.

Sind synthetische Make-up- und Reinigungsschwämme Mikroplastik?

Synthetische Make-up-Schwämme und viele bunte Reinigungsschwämme bestehen aus Kunststoff-Schaum. Ein echter Naturschwamm besteht aus natürlichem Material.

Verbietet die EU Mikroplastik in Kosmetik nicht ohnehin?

Die EU hat ein schrittweises Verbot für bestimmtes absichtlich zugesetztes Mikroplastik beschlossen, das über mehrere Jahre greift und zuerst feste Partikel wie Schleifkörper betrifft. Viele flüssige oder gelöste Kunststoffe sind davon vorerst nicht oder erst später erfasst, und Übergangsfristen sind lang. Deshalb bleibt es sinnvoll, selbst auf die Inhaltsliste zu schauen, statt sich allein auf die Regelung zu verlassen.

14. Über tom&pat

tom&pat führt seit 2018 Naturschwämme aus dem Mittelmeer in den Sorten Honeycomb, Grass und Silk. Sie werden in Köln verpackt. Bevor eine Sorte bei uns in den Verkauf kommt, testet Gründer Patrick Lauff sie selbst über Wochen im eigenen Alltag.

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