Greenwashing erkennen: 7 Werbe-Tricks, auf die fast jeder reinfällt
Greenwashing erkennen ist gar nicht so schwer, wenn man die immer gleichen Tricks einmal durchschaut hat. Ein grünes Blatt, das Wort "natürlich" in großen Buchstaben, ein hübsches Siegel, das niemand kennt - und schon wirkt ein Produkt umweltfreundlich, ganz egal, was wirklich drinsteckt. Die Werbung spielt dabei geschickt mit Bildern und Gefühlen statt mit Fakten. Wer einmal weiß, wonach er schauen muss, lässt sich deutlich seltener blenden. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen die 7 häufigsten Greenwashing-Maschen in der Kosmetik - und worauf Sie stattdessen achten, um echte Nachhaltigkeit zu erkennen.
Lesedauer: 16 Minuten
1. Greenwashing in Kürze: das Wichtigste vorab
Greenwashing ist Werbung, die ein Produkt grüner darstellt, als es ist. Die häufigsten Tricks: vage Begriffe wie natürlich, grüne Optik, Schein-Siegel und frei-von-Maschen. Echte Nachhaltigkeit erkennen Sie an klaren Belegen, unabhängigen Siegeln und einer ehrlichen, nachvollziehbaren Inhaltsstoffliste.
Nachhaltigkeit verkauft sich gut - und genau das ist das Problem. Weil viele Menschen bewusster einkaufen möchten, verspricht die Werbung an jeder Ecke etwas Grünes. Doch nicht hinter jedem Blatt-Symbol steckt eine echte Umweltleistung. Oft wird nur das Gefühl von Nachhaltigkeit verkauft, während das Produkt selbst kaum besser ist als andere.
Die gute Nachricht: Greenwashing folgt fast immer denselben Mustern. Wir gehen die 7 häufigsten Tricks durch und sagen, woran Sie echte Nachhaltigkeit stattdessen erkennen. Wenn Sie wenig Zeit haben, merken Sie sich einen einzigen Satz: Die Vorderseite verkauft, die Rückseite informiert. Alle sieben Tricks spielen sich auf der Schauseite ab - in Worten, Farben und Symbolen. Wer sich angewöhnt, jedes Produkt einmal umzudrehen, hat den größten Teil des Greenwashings schon entschärft.
2. Warum Greenwashing überhaupt funktioniert
Greenwashing wirkt, weil wir im Alltag schnell und mit dem Bauch entscheiden. Grüne Farben, Naturbilder und gute Worte lösen ein positives Gefühl aus, bevor wir nachdenken. Hersteller nutzen diese Abkürzung im Kopf gezielt. Wer die Mechanik kennt, kann bewusster hinschauen.
Der Grund liegt nicht in Naivität, sondern darin, wie wir alle einkaufen: schnell, nebenbei und mit begrenzter Zeit. Vor dem Regal vergleicht kaum jemand jede Inhaltsstoffliste Zeile für Zeile. Grüne und erdige Farben, Pflanzenbilder und Worte wie natürlich wecken sofort ein gutes Gefühl, und das Gehirn nimmt eine Abkürzung: „sieht nach Natur aus, wird schon gut sein". Diese Abkürzung ist im Alltag praktisch, aber sie lässt sich leicht ausnutzen.
Dazu kommt der Wunsch, das Richtige zu tun. Greenwashing verkauft deshalb nicht nur eine Ware, sondern ein Gefühl von Verantwortung. Dass viele darauf reinfallen, ist kein Zeichen von Leichtgläubigkeit - die Tricks sind genau auf schnelle Bauchentscheidungen ausgelegt. Wer das durchschaut, kauft nicht weniger bewusst ein, aber genauer, weil er das Gefühl vom Beleg trennt.
3. Trick 1: Vage Begriffe ohne klare Bedeutung
Worte wie natürlich, grün, umweltfreundlich oder rein klingen gut, sind aber rechtlich nicht geschützt und nicht klar definiert. Sie sagen für sich allein fast nichts aus. Echte Aussagen sind konkret und überprüfbar - achten Sie auf Zahlen, Anteile und nachvollziehbare Erklärungen statt auf schöne, leere Worte.
Der häufigste Trick überhaupt: ein gutes Gefühl in einem einzigen Wort. Natürlich, naturnah, rein, grün, umweltfreundlich - all diese Begriffe sind weder eindeutig definiert noch gesetzlich geschützt. Ein Produkt darf sich natürlich nennen, auch wenn nur ein kleiner Teil seiner Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs ist. Das Tückische: Diese Worte fühlen sich konkret an, sind es aber nicht. Auch die EU will mit neuen Regeln gegen unbelegte Umweltversprechen wie umweltfreundlich oder klimaneutral vorgehen.
Ein einfacher Gegentest hilft: Ersetzen Sie das grüne Wort gedanklich durch die Frage „woran genau gemessen?". Findet sich auf der Packung oder Website eine Antwort - ein Anteil, ein Verfahren, ein Vergleich -, ist die Aussage belastbar. Bleibt die Frage unbeantwortet, war es vermutlich nur Stimmung. Besonders aufmerksam machen sollten Begriffe, die viel versprechen und nichts festlegen: natürlich, rein, sanft, bewusst, achtsam, naturnah. Keiner davon ist falsch, aber keiner ist für sich allein ein Beleg.
4. Trick 2: Grüne Optik statt grüner Inhalt
Erdtöne, Kraftpapier-Look, Blätter und Wassertropfen vermitteln Natürlichkeit ganz ohne Worte. Diese Optik sagt aber nichts über den Inhalt. Auch ein konventionelles Produkt kann in grüner Verpackung stecken. Schauen Sie deshalb hinter die Gestaltung auf die tatsächlichen Inhaltsstoffe und die echte Verpackung.
Farben und Bilder wirken schneller als jeder Text. Grüne und braune Töne, ein Papier-Look, kleine Blatt-Symbole oder Pflanzen-Illustrationen flüstern dem Gehirn „Natur" zu, bevor ein einziges Wort gelesen ist. Das ist legitime Gestaltung, wird aber zum Trick, wenn die Optik mehr verspricht als der Inhalt hält - etwa bei der Plastikflasche im Kraftpapier-Design, deren Inhaltsstoffliste sich kaum von der eines beliebigen anderen Produkts unterscheidet.
Ein zweiter Klassiker ist das Papier um den Kunststoff: eine Banderole aus Kraftpapier, unter der die eigentliche Verpackung weiter aus Plastik besteht. Optisch dominiert das Papier, materiell zählt aber, was den Inhalt wirklich umschließt - ein Blick auf das Recycling-Symbol oder die Materialangabe verrät oft mehr als der erste Eindruck. Der beste Gegentest: Decken Sie gedanklich die Gestaltung ab. Bleibt nach Abzug von Farbe und Naturmotiven noch eine echte, belegte Aussage übrig?
5. Trick 3: Schein-Siegel, die niemand kennt
Ein Siegel wirkt wie ein neutraler Stempel von außen - doch viele Siegel sind vom Hersteller selbst erfunden. Echte Siegel kommen von unabhängigen Stellen, haben öffentlich nachlesbare Kriterien und werden geprüft. Unbekannte oder selbst vergebene Siegel ohne klare Quelle sind ein typisches Greenwashing-Zeichen.
Ein Siegel suggeriert: Jemand Unabhängiges hat geprüft und für gut befunden. Genau dieses Vertrauen wird ausgenutzt, wenn Firmen eigene Siegel erfinden, deren Kriterien sie selbst festlegen. Optisch sind solche Phantasie-Siegel kaum von echten zu unterscheiden. Künftig sollen laut neuen EU-Vorgaben Nachhaltigkeitssiegel nur noch erlaubt sein, wenn sie auf unabhängiger Zertifizierung beruhen - bis das überall greift, hilft ein einfacher Test.
Siegel in 3 Schritten prüfen
Namen lesen und merken. Lesen Sie den genauen Namen des Siegels. Ist es überhaupt benannt, oder steht da nur ein vages Logo ohne klare Bezeichnung?
Quelle suchen. Suchen Sie den Siegel-Namen kurz im Internet. Gibt es eine unabhängige Stelle dahinter mit öffentlichen, nachlesbaren Kriterien?
Aussage prüfen. Schauen Sie, was das Siegel konkret bewertet - Inhaltsstoffe, Herstellung, Tierwohl, Verpackung? Ein gutes Siegel sagt klar, wofür es steht.
Selbst erfundene Siegel erkennen Sie an typischen Anzeichen: Das Siegel taucht nur bei dieser einen Marke auf, nennt keine prüfende Stelle und macht keine konkrete Aussage, sondern lobt nur allgemein („premium-natürlich", „öko-geprüft"). Echte Siegel haben in der Regel eine eigene Website mit Kriterien und Angaben dazu, wie und von wem geprüft wird. Umgekehrt gilt: Auch ein echtes Siegel deckt immer nur einen bestimmten Bereich ab - ein Tierwohl-Siegel sagt nichts über die Verpackung, ein Bio-Siegel nichts über Transportwege.
6. Trick 4: Die frei-von-Masche
Frei von einem Stoff klingt nach besonderer Sorgfalt - oft fehlt der genannte Stoff in dieser Produktart aber ohnehin. So wird Selbstverständliches als Vorteil verkauft. Außerdem sagt frei von nichts darüber aus, was stattdessen enthalten ist.
„Ohne Mikroplastik", „frei von Parabenen", „ohne Silikone" - solche Hinweise klingen verantwortungsvoll. Manchmal sind sie das auch. Häufig aber wird mit dem Verzicht auf einen Stoff geworben, der in dieser Produktart sowieso kaum vorkommt. Ein Stück feste Seife etwa enthält von Natur aus kein flüssiges Konservierungsmittel - es „frei von" zu nennen, ist dann eher Marketing als Leistung.
Der zweite Haken: Was ein Produkt nicht enthält, sagt nichts darüber, was es stattdessen enthält. Die frei-von-Aussage lenkt den Blick weg von der vollständigen Liste - und genau das ist der Trick. Manche dieser Aussagen erwecken zudem den Eindruck, der genannte Stoff sei generell gefährlich, obwohl das so nicht stimmt. Bewerten Sie einen Inhaltsstoff lieber anhand seiner tatsächlichen Funktion, statt sich von einem dramatisch klingenden „ohne" leiten zu lassen.
frei von versus echte Information
| Kriterien | Reine frei-von-Werbung | Echte, hilfreiche Information |
|---|---|---|
| Blickrichtung | Betont, was angeblich nicht drin ist - oft ohnehin unüblich für die Produktart. | Zeigt offen die vollständige Inhaltsstoffliste und erklärt sie verständlich. |
| Nachprüfbarkeit | Ohne Vergleich kaum einzuordnen, ob der Verzicht überhaupt etwas bedeutet. | Inhaltsstoffe lassen sich direkt nachlesen und selbst bewerten. |
| Aussagekraft | Ein einzelner Stoff weniger sagt nichts über das Gesamtprodukt. | Das Gesamtbild aus allen Inhaltsstoffen ist die ehrliche Grundlage. |
7. Trick 5: Das eine grüne Detail, das vom Rest ablenkt
Ein einziger grüner Pluspunkt wird groß herausgestellt, während der Rest unverändert bleibt. Recycelte Kappe, ein natürlicher Inhaltsstoff, ein gepflanzter Baum - das klingt gut, sagt aber nichts über das Gesamtprodukt. Nachhaltigkeit zeigt sich erst im großen Bild, nicht in einem hübschen Detail.
Im Marketing-Jargon heißt das oft „verstecktes Abwägen": Ein kleiner grüner Aspekt wird in den Vordergrund gerückt und übertönt alles andere. Die Kappe ist aus recyceltem Material - der Rest der Verpackung nicht. Ein Inhaltsstoff ist biologisch - die übrige Liste ist konventionell. Für jedes verkaufte Produkt wird ein Baum gepflanzt - was beim Produkt selbst meist nichts ändert.
Solche Maßnahmen sind nicht per se schlecht, und jeder echte Schritt zählt. Problematisch wird es, wenn ein einzelnes Detail so groß inszeniert wird, dass es den Eindruck eines rundum nachhaltigen Produkts erzeugt. Der nützliche Gegentest ist die Frage nach dem Verhältnis: Wie groß ist der gelobte grüne Anteil im Vergleich zum ganzen Produkt? Wird ein winziger Anteil so groß inszeniert wie das ganze Produkt, stimmt das Verhältnis nicht - und genau dieses Missverhältnis ist das Warnsignal. Ein Baum-pro-Kauf-Versprechen etwa ist eine Spende neben dem Verkauf, kein Beleg für die Nachhaltigkeit der Ware.
8. Trick 6 & 7: Übertreibung und der Vergleich mit dem Schlimmeren
Trick 6 sind Superlative wie revolutionär nachhaltig oder zu hundert Prozent natürlich, die selten belegt sind. Trick 7 ist der Vergleich mit dem Schlimmeren - besser als andere, statt einfach gut. Beide lenken von harten Fakten ab.
Trick 6 - die Übertreibung. „Komplett natürlich", „zu hundert Prozent nachhaltig", „revolutionär umweltfreundlich": Je größer das Wort, desto vorsichtiger sollte man sein. Solche Superlative sind kaum je vollständig belegbar, weil fast jedes Produkt irgendwo einen Haken hat - bei Rohstoffen, Transport oder Verpackung. Ehrliche Anbieter formulieren zurückhaltender und sagen auch, wo Grenzen sind.
Trick 7 - der Vergleich mit dem Schlimmeren. Ein Produkt wird nicht als gut dargestellt, sondern als „besser als" eine besonders schlechte Alternative. „Weniger Plastik als üblich" klingt grün, kann aber immer noch viel Plastik bedeuten. Beide Tricks entschärfen Sie mit derselben Haltung: Fragen Sie nach dem Maßstab - „hundert Prozent wovon, und wer hat das gemessen?" beziehungsweise „besser als was genau, und ist dieser Vergleich fair?". Fehlt ein nachprüfbarer Bezugspunkt, bleibt nur ein gutes Gefühl ohne Substanz.
9. Die häufigsten Fehler beim Erkennen von Greenwashing
Auch wer wachsam ist, tappt in typische Fallen: Man verlässt sich auf ein einzelnes Wort, ein einzelnes Siegel oder den Preis. Oder man verlangt Perfektion und übersieht dabei ehrliche, unvollkommene Produkte.
Der häufigste Denkfehler ist, sich auf ein einziges Signal zu verlassen. Ein schönes Wort, ein hübsches Siegel oder ein hoher Preis genügen vielen schon als Beweis - tatsächlich wird das Bild erst verlässlich, wenn mehrere Hinweise zusammenpassen. Der zweite Fehler liegt in der anderen Richtung: zu streng zu sein. Wer von jedem Produkt makellose Nachhaltigkeit verlangt, übersieht leicht die ehrlichen Anbieter, die offen mit ihren Kompromissen umgehen. Ständiges Misstrauen kann genauso in die Irre führen wie zu viel Vertrauen.
Drei Denkfehler, die Sie vermeiden sollten
Auf ein einzelnes Signal vertrauen. Ein Wort, ein Siegel oder der Preis allein beweisen nichts. Achten Sie darauf, ob mehrere Hinweise zusammen ein stimmiges Bild ergeben.
Perfektion verlangen. Kein Produkt ist makellos. Ehrlichkeit über Kompromisse ist oft mehr wert als ein perfekt klingendes Versprechen, das zu schön ist, um wahr zu sein.
Nur die Vorderseite lesen. Die Schauseite verkauft, die Rückseite informiert. Wer nur auf die Werbung schaut und die Inhaltsstoffliste auslässt, übersieht das Wesentliche.
10. Der 3-Minuten-Check vor dem Kauf
Mit einer kurzen Routine lässt sich fast jedes Produkt im Laden oder Online-Shop einordnen: umdrehen, Inhaltsstoffliste lesen, Siegel prüfen, vage Worte hinterfragen und auf das Gesamtbild schauen. Das dauert kaum drei Minuten und schützt zuverlässiger als jedes einzelne Werbeversprechen.
Die Routine lässt sich vor dem Regal genauso anwenden wie beim Online-Einkauf, wo die Inhaltsstoffe meist in der Produktbeschreibung oder auf einem Foto der Rückseite stehen.
In 5 Schritten ein Produkt prüfen - Schritt für Schritt
Produkt umdrehen. Schauen Sie zuerst auf die Rückseite, nicht auf die Werbung. Dort steht, was wirklich drin ist.
Inhaltsstoffliste lesen. Ist die Liste vollständig, lesbar und überschaubar? Eine kurze, klare Liste ist oft ein gutes Zeichen, eine endlose mit vielen unklaren Stoffen ein Grund zum Nachschauen.
Siegel prüfen. Gibt es ein Siegel? Wenn ja, stammt es von einer unabhängigen Stelle mit nachlesbaren Kriterien - oder wirkt es selbst erfunden?
Vage Worte hinterfragen. Stehen auf der Vorderseite Worte wie natürlich oder umweltfreundlich? Fragen Sie sich, ob die Rückseite diese Worte mit etwas Konkretem einlöst.
Gesamtbild bewerten. Passen Inhalt, Verpackung und Aussagen zusammen, oder glänzt nur ein einzelnes Detail? Erst das Gesamtbild ergibt ein ehrliches Urteil.
Wichtig ist die Reihenfolge: erst die nachprüfbaren Fakten auf der Rückseite, dann die Werbung auf der Vorderseite. Üben Sie den Check ein paarmal bewusst an Produkten, die Sie schon kennen - danach läuft er im Alltag fast automatisch ab.
11. Echte Nachhaltigkeit erkennen: woran Sie sich orientieren
Echte Nachhaltigkeit ist konkret, nachprüfbar und ehrlich. Sie zeigt sich in einer klaren Inhaltsstoffliste, unabhängigen Siegeln, nachvollziehbaren Angaben zu Herkunft und Verpackung und in dem Mut, auch Grenzen zu nennen.
Die Antwort ist erfreulich einfach: Halten Sie sich an das, was sich nachprüfen lässt. Echte Nachhaltigkeit braucht keine großen Adjektive, sie zeigt sich in Fakten. Kein einzelnes der folgenden Anzeichen ist ein Garant - zusammen ergeben sie aber ein verlässliches Bild.
Echte Nachhaltigkeit in 5 Anzeichen erkennen
Klare Inhaltsstoffliste. Die Inhaltsstoffe sind vollständig, lesbar und nicht hinter Werbeworten versteckt.
Unabhängige Siegel. Siegel stammen von neutralen Stellen mit öffentlichen Kriterien - nicht vom Hersteller selbst erfunden.
Konkrete Angaben. Statt grün und natürlich gibt es nachprüfbare Angaben zu Herkunft, Material, Verpackung oder Herstellung.
Ehrlichkeit über Grenzen. Der Anbieter sagt auch, was ein Produkt nicht kann oder wo es Kompromisse gibt - ein starkes Vertrauenszeichen.
Nachvollziehbares Gesamtbild. Inhalt, Verpackung, Herstellung und Haltbarkeit passen zusammen - nicht nur ein einzelnes grünes Detail glänzt.
Bei der Inhaltsstoffliste lohnt der Blick auf die Reihenfolge: Inhaltsstoffe stehen meist nach Menge geordnet, der erste Stoff ist also am stärksten vertreten. Ein Produkt, das mit einem wertvollen Pflanzenöl wirbt, dieses aber erst weit hinten führt, enthält oft nur sehr wenig davon. Wer tiefer einsteigen möchte, warum bewusstes Einkaufen überhaupt einen Unterschied macht, findet im Beitrag Bewusster Konsum einen ruhigen Gedankenanstoß.
12. Aus der Praxis von tom&pat
In den Jahren mit natürlicher Pflege seit 2018 haben wir gelernt: Die ehrlichsten Produkte sind oft die unscheinbarsten. Wir verzichten bewusst auf grüne Inszenierung und setzen auf wenige, klare Inhaltsstoffe, die man selbst nachlesen kann.
Weil wir seit 2018 Naturprodukte verkaufen, schauen wir uns zwangsläufig viele Verpackungen anderer Anbieter an. Was uns dabei immer wieder auffällt: Je lauter ein Produkt seine Natürlichkeit betont, desto seltener hält die Rückseite mit. Die ehrlichsten Produkte, die uns über die Jahre begegnet sind, waren oft die unauffälligsten - schlichte Verpackung, kurze Liste, keine großen Worte.
Genau deshalb gestalten wir unsere eigenen Produkte zurückhaltend. Unsere Aleppo-Seife kommt ohne grüne Blatt-Symbole und ohne erfundene Siegel aus. Sie besteht im Kern aus Olivenöl und Lorbeeröl - eine kurze, klare Liste, die Sie direkt nachprüfen können. Wir nennen sie eine milde, vielseitige Naturseife, mehr nicht.
Und ja, auch wir sind nicht perfekt: Bei Transport oder einzelnen Verpackungsteilen müssen wir Kompromisse machen, und das verschweigen wir nicht. Unsere ehrlichste Empfehlung ist deshalb keine Marke, sondern eine Gewohnheit: Drehen Sie jedes Produkt einmal um, bevor Sie es kaufen - auch unseres. Ein Hinweis noch, weil er oft untergeht: Naturprodukte sind Pflege, kein Heilmittel. Bei anhaltenden Rötungen, Reizungen oder Hauterkrankungen wenden Sie sich bitte an eine Hautärztin oder einen Hautarzt.
13. Ehrlich gesagt: was tom&pat ist - und was nicht
Auch wir leben nicht ohne Kompromisse. Unser Ansatz ist bewusst schlicht: wenige, klare Inhaltsstoffe statt großer Versprechen. Unsere Aleppo-Seife besteht im Kern aus Oliven- und Lorbeeröl - ein Wenig-Inhaltsstoff-Produkt, das Sie selbst auf der Liste nachlesen können.
Wenn wir die Tricks der Branche so offen benennen, müssen wir uns selbst an diesem Maßstab messen lassen. Auch tom&pat arbeitet mit Kompromissen, etwa bei Transport oder einzelnen Verpackungsteilen. Wir versuchen aber, genau die Dinge nicht zu tun, die oben beschrieben sind - kein Eigenlob-Marktschreien, keine erfundenen Siegel, keine frei-von-Nebelkerzen.
Dasselbe gilt für unsere Naturschwämme. Warum ein echter Naturschwamm gegenüber Kunststoff Vorteile haben kann - und wo die ehrlichen Grenzen liegen - lesen Sie im Vergleich Naturschwamm vs. Kunststoffschwamm. Und wer das Badezimmer Schritt für Schritt plastikärmer machen will, findet praktische Ideen unter plastikfrei im Bad.
Am Ende ist die beste Verteidigung gegen Greenwashing Ihr eigener kritischer Blick. Drehen Sie Produkte um, lesen Sie die Liste, hinterfragen Sie schöne Worte und unbekannte Siegel - und bevorzugen Sie Anbieter, die ehrlich sagen, was sie können und was nicht.
14. Häufig gestellte Fragen
Die häufigsten Fragen – kurz und klar beantwortet.
Was ist Greenwashing einfach erklärt?
Greenwashing bedeutet, dass ein Produkt oder eine Firma sich grüner und umweltfreundlicher darstellt, als es tatsächlich ist. Statt wirklich nachhaltig zu wirtschaften, wird vor allem das Image mit Werbung, Bildern und schönen Worten aufpoliert. Der Kunde soll das gute Gefühl kaufen - die echte Umweltleistung bleibt oft aus oder ist nicht belegt.
Ist der Begriff natürlich bei Kosmetik geschützt?
Nein. Begriffe wie natürlich, naturnah oder Naturkosmetik sind nicht gesetzlich geschützt und nicht eindeutig definiert. Ein Produkt darf sich natürlich nennen, auch wenn es nur einen kleinen natürlichen Anteil enthält. Verlassen Sie sich deshalb nie auf das Wort allein, sondern schauen Sie immer auf die vollständige Inhaltsstoffliste.
Woran erkenne ich ein echtes Siegel von einem Schein-Siegel?
Ein echtes Siegel stammt von einer unabhängigen Stelle, hat öffentlich nachlesbare Kriterien und wird regelmäßig geprüft. Ein Schein-Siegel ist oft vom Hersteller selbst erfunden, sagt nichts Konkretes aus oder lässt sich nicht nachprüfen. Im Zweifel den Namen des Siegels kurz im Internet suchen - gibt es keine klare, unabhängige Quelle, ist Vorsicht angebracht.
Warum ist frei von in der Werbung oft ein Trick?
Mit frei von wird oft mit Stoffen geworben, die in dieser Produktart ohnehin selten oder gar nicht vorkommen oder längst kaum noch verwendet werden. Das klingt nach besonderer Sorgfalt, ist aber manchmal eine Selbstverständlichkeit. Außerdem sagt frei von einem Stoff nichts darüber aus, was stattdessen drin ist. Schauen Sie deshalb immer, was ein Produkt enthält, nicht nur, was es angeblich nicht enthält.
Bedeutet plastikfrei automatisch nachhaltig?
Nicht zwangsläufig. Die Verpackung allein sagt noch nichts über den Inhalt, die Herstellung oder die Transportwege aus. Für eine Einordnung müssen Inhalt, Verpackung, Herstellung und Haltbarkeit betrachtet werden.
15. Über tom&pat
tom&pat bietet seit 2018 Pflegeprodukte an. Unsere Aleppo-Seife aus Oliven- und Lorbeeröl ist eine Naturseife - von Hand ausgewählt und in Köln sozial verpackt. Gerade weil Begriffe wie "Bio" oder "natürlich" oft ohne echte Prüfung verwendet werden, legt tom&pat bei den eigenen Produkten offen, woher sie stammen und wie sie verarbeitet werden. Bevor ein Produkt bei tom&pat ins Sortiment kommt, testet Gründer Patrick Lauff es selbst im eigenen Bad.
80 % Olivenöl, 20 % Lorbeeröl
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